Lis Graf bedankte sich bei ihren treuen Helfern vom Freundeskreis der Kulturscheune
Schnaittach, nachdem sie eine Erklärung zur fraglichen Zukunft der Schnaittacher Institution verlesen hatte
Ein in mehrfacher Hinsicht besonderer Abend erwartete die Gäste des diesjährigen Weihnachtskonzerts in der
Kulturscheune: Zum einen wurde er von den bekannten Musikerfamilien Geer und Kirchhoff-Jordan gestaltet. Zum
anderen fand an diesem Abend vielleicht das letzte Konzert in der Kulturscheune statt.
Lis Graf, die mit ihrem Mann vor 15 Jahren die „Scheune“ instand gesetzt und seither unterhalten hatte,
informierte anfangs darüber, dass noch immer das Damoklesschwert der Schließung über der für Schnaittach
wichtigen Kultureinrichtung hängt. Da nicht auszuschließen ist, dass das Weihnachtskonzert
trotz aller Bemühungen das Ende einer Ära besiegelt, dankte Lis Graf ihren treuen Helfern vom Freundeskreis und
übergab Blumen und Geschenke.
Trotz der schwierigen Situation will sie jedoch weiter für ihr Lebenswerk kämpfen und wünschte den
ausnahmslos betroffenen Gästen in dem festlich geschmückten Fachwerksaal ein herzliches „viel Vergnügen – und
genießen Sie alles“.
Damit begann ein besonderer Konzertabend: Ulf Geer stellte seine Familienmitglieder vor, die allesamt unter
anderem Streichinstrumente spielen und Schnaittacher sind, sowie Anne-Kathrein Jordan am Flügel und ihre Töchter
Martha, derzeit Gesangsstudentin in Berlin, die den Abend mit ihrer herrlichen Stimme bereicherte, sowie
Pauline, die konzentriert und gekonnt den Bogen am Violincello führte.
Nach der einführenden Weihnachtssymphonie von Schiassi lud Geer das Publikum ein, bei Händels „Tochter Zion“
mitzusingen, denn: „Miteinander musizieren ist eine fundamentale menschliche Kulturleistung.“ Die erwartungsvollen Gäste stimmten ein, und sofort war es den Musikern, die im Laufe des Konzerts in wechselnder
Besetzung spielten, gelungen, den für Künstler so wichtigen eigenen Kontakt zum Publikum herzustellen. Auf
Rezitativ und Arie aus Bachs Weihnachtsoratorium „Bereite dich Zion“ folgte am Klavier Chopins „Nocturne Es-Dur“.
Dazwischen erzählte Ulf Geer eine vergnügliche Weihnachtsgeschichte von Paul Maar.
Nach Francks religiösem „Panis angelicus“ spielten Vincent und David Geer, die sich als „Duo Cord“ mit
orientalischem Klezmer-Jazz bereits einen Namen gemacht haben, nichtweihnachtliche Klänge. Sie begannen
verhalten mit der „Dolina“, einem Stück, das zum Repertoire eines traditionellen Klezmermusikers gehört, wie
Vincent erklärte. Dann ließen sie Lieblingsstücke erklingen – „Florians Theme“ sowie „Merkavah“ in Anlehnung an
die jüdische Mystik – und zeigten, was sie bei ihrem in Israel lebenden Freund und Mentor gelernt haben. Die
Zuhörer lauschten gebannt, bis die beiden ihre Bogen aus der Hand legten und die Gäste in die Pause entließen.
Ein Weihnachtskonzert erster Güte: Mitglieder der Familien Geer und Kirchhoff-Jordan auf
der Bühne der Kulturscheune
Der Marsch von Händel stimmte wieder auf den eigenen Kulturkreis ein. Alle waren hingerissen, als zwei kleine
Engel mit goldenen Flügeln das Präludium zu „Hört der Engel helle Lieder“ spielten: Ruth und Augustin Geer, die
jüngsten Familienmitglieder, entlockten ihren Instrumenten zarte und hörbar himmlische Töne, bis die Gäste, von
allen übrigen Geers und Jordans begleitet, volltönend das Lied mit dem Refrain von „Gloria in excelsis deo“
sangen.
Dann begleitete das ganze Ensemble außer Augustin, der weiter seine Rolle als Engel wahrnahm, ein
temperamentvoll spanisches Stück sowie das von Martha Jordan in gekonntem Mezzosopran vorgetragene „Maria durch
ein Dornwald ging“.
Ein besonderer Genuss war das von Caspar und Valentin Geer mit ihren Eltern vorgetragene „Air“ von Bach aus
der Orchestersuite D-Dur. Besinnliche Töne folgten bei Humperdincks „Abendsegen“ aus „Hänsel und Gretel“ und dem Weihnachtskonzert von Corelli. Schließlich sollte das „Adorar al Nino“ aus Venezuela, bei dem Anne-Kathrein
Jordan den zweiten Gesangspart übernahm, das Konzert beenden.
Die Gäste entließen die Musiker jedoch erst nach Zugaben, die schließlich mit leichten und schwungvollen
Klängen von Vincent und David Geer beendet wurden. In die Fröhlichkeit der Gäste nach einem wunderbaren Konzertabend mischten sich die Wehmut
und Sorge um die Zukunft des Hauses, sodass alle Zuhörer die ausgelegten Unterschriftslisten unterzeichneten,
mit denen die Politiker und Nachbarn um Erhaltung der Kulturscheune gebeten werden.
Birgit Kroder-Gumann
(mit freundlicher Genehmigung der Pegnitz-Zeitung Lauf)